Dritte Art
Wir hatten soeben eine seltsame Begegnung der dritten Art und zwar in einem Supermarkt. Wir sind es durchaus gewöhnt, dass Leute uns anstarren, was daran liegt, dass wir einfach anstarrenswert gut aussehen. Dieses nun allerdings war etwas völlig anderes. Wir berichten:
Wir trugen in diesem kleinen Supermarkt nur ein einziges Teil an die Kasse, das die Nutzbarkeit der Inhalte unseres Kühlschrankes verbessern sollten. Die Dame hinter der Kasse – die einzig offene Kasse – war durchaus in einem Alter unsere Großmutter sein zu können, wenn unsere Eltern nicht alt genug wären, um fast – aber auch nur fast – die Großeltern fast jedes anderen Humanuiden in unserem Alter zu sein.
Der Artikel huschte über die Kasse, erzeugte ein Piep, das uns innerhalb weniger Minuten in den Wahnsinn treiben würde, müssten wir jemals länger als eine halbe Stunde hinter einer solchen Kasse sitzen – was wir noch nie mussten – und zeigte glorreiche 3,35CHF an. Dies teilte uns die gute Dame hinter der Kasse auch mit, für den Fall, dass wir A) schlechte Augen hatten oder B) keine Zahlen lesen konnten.
Nun gut, wir reichten ihr 4CHF, die wir zuvor noch in mühseliger Kleinstarbeit aus unserer Spardose gefischt hatten – „gefischt“ ist hier ein herrliches Wort, denn unsere Spardose hat die Gestalt eines Goldfisches, wurde uns vor vielen Jahren zum Geburtstag geschenkt von jemanden, der uns offensichtlich nicht mochte und auch darauf nichts mehr mit uns zu tun haben wollte, und blieb nur deshalb in unserem Besitz, weil wir noch nach jemanden suchen, dem wir sie schenken könnten, weil wir ihn oder sie nicht mögen und auch darauf nichts mehr mit ihm oder ihr zu tun haben wollen.
Wie erwähnt, reichten wir der kassierenden Dame also die 4CHF. Sie nahm sie an, legte sie in ihre Kasse, was recht einfach war, da es sich um vier 1CHF Münzen handelte, die man nicht sortieren musste, und dann passierte es:
Sie schloss die Kasse und wandte uns sehr, sehr langsam den Blick zu.
„Das war zuviel,“ sagte sie zu uns und starrte uns an.
Wie gesagt, wir sind es gewohnt, dass man uns anstarrt. Wir sind es auch gewohnt, dass Leute, die uns anstarren Blödsinn brabbeln, weil er ihr Geist vor Begeisterung nichts anderes mehr zu formulieren vermag. Aus diesem Grunde benötigten wir einen Moment, um zu registrieren, was eigentlich gerade geschah. Als dies endlich erledigt war, sagten wir:
„Uhm, ja.“
Die blinzelte langsam und wiederholte: „Das war zu viel.“
Ich könnte jetzt zu einem Exkurs überleiten, warum laut dem Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ die Menschen das Offensichtlichste immer und immer wieder wiederholen, aber das würde jetzt zu weit führen.
„Ja, das waren 4CHR“, erklärten wir ihr also.
„Ja,“ seufzte sie.
„Dann… bekomme ich Wechselgeld?“
„Ja,“ wiederholte sie und ihr Blick begann zwischen der Kasse und mir hin und her zu schweifen.
Sie begann dann ein wenig auf ihrer Kasse herumzutippen, während ich das entnervte Regen und Seufzen der Leute hinter mir in der Schlange bemerkte – was mich nicht im geringste störte, weil Lebensformen, die ich nicht mag, mir mal den Buckel runter ruschten können, besonders wenn sie meinen, ich müsste mich dafür interessieren, was sie von der ganzen Sache gerade halten.
Die Kassiererin konnte die Kasse schließlich öffnen, und stierte auf den weißen, sehr kurzen Bon, der noch oben herausluckte und in freundlichen, schwarzen Buchstaben erklärte, dass was auch immer ich gerade gekauft hatte, 3,35CHF gekostet hatte.
„Uhm“, begann sie und hörte gleich wieder damit auf – und mit allem anderen, was sie gerade gemacht hatte auch.
Wir kamen dann nicht darum herum, uns mal zu räuspern, weil sich uns das Gefühl aufgedrängt hatte, dass sie uns vergessen hatte.
Ihr Blick wanderte wieder zu uns. Sie blinzelte langsam.
„Das Wechselgeld, bitte,“ sagten wir.
„Ja“, antwortete sie und blickte wieder hinab in die offene Schublade der Kasse.
„0,65CHF erklärten wir ihr geduldig.“
Sie versenkte darauf den ersten Finger in der Schublade, zog eine 1/2CHF Münze heraus, betrachtete sie lange und sagte leise „50″.
Wir begannen zu zählen.
Nach einem Augenblick versenkte sie den Finger in dem gleichen Fach der Schublade, zog eine zweite 1/2CHF Münze heraus, starrte sie an, verglich sie mit der ersten, sagte „Das ist zuviel“ und legte die erste wieder zurück.
Wir zählten immer noch.
Darauf zog sie eine 0,10CHF Münze heraus und betrachtete sie eingehend, verglich sie mit der ersten, nickte langsam und legte beides in ihre rechte Hand, während sie mit der linken wieder in der Schublade fingerte.
‘72, wir kommen der Sache näher, 73′ dachten wir uns und zählten weiter.
Sie zog ein 0,05CHF Stück heraus, betrachtete alle nebeneinander, hob dann ihre Hand über das Förderband und drehte sie um, so dass alle drei Münzen herauskullterten und die 1/2CHF Münze versuchte auf ihrem Rand davon zu kommen.
Wir beendeten das Zählen bei 91, bedankten uns, nahmen unseren Artikel, den zu erhalten, uns so viel gekostet hatte, und verließen den Laden.
Bevor wir jedoch die Tür erreichten, hörten wir wie die Dame hinter uns den nächsten Kunden ansprach und sagte: „Schönen Tag, Hallo.“
Dies ist nicht ersponnen! Dies ist mir tatsächlich, eben gerade passiert! Und eben genau so!
Wie es zu dieser seltsamen Begegnung kam, kann ich mir nicht erklären. Wir haben extra unser Spiegelbild getestet, als wir wieder daheim waren, konnten allerdings nichts unübliches Feststellen. Wir haben auch kein Parfum oder dergleichen benutzt, was wir sonst nicht benutzt hätten.
Vielleicht ist hier die Macht am Werke oder doch ein Imperius Zauberspruch. Man weiß es nicht. Wir gehen da jedenfalls so bald nicht mehr einkaufen.




Es ist schon unangenehm, das heutzutage selbst geschultes Personal nicht mehr rechnen kann.
Blizzard schrieb dies am Sonntag, 18. Oktober 2009 um 7:32